Die Geschichte des Heizkissens

Der Versuch Wärme nutzbar zu machen, ist so alt wie die Menschheit. Vom Feuer bis zu modernen Heizungssystemen sind im Laufe der Jahrhunderte zahllose Entwicklungen gelungen, die Wärme effektiv erzeugen, speichern und gezielt abgeben. Die Grundlage für die Entwicklung der ersten Vorläufer moderner Heizkissen, war die zunehmende Verbreitung elektrischen Stroms in Privathaushalten, Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts. Zuvor wurden zum Beispiel Betten, die heute noch das beliebteste Anwendungsgebiet für Heizkissen sind, mit Bettwärmepfannen aus Metall beheizt, in denen glühende Kohle Wärme erzeugte oder mit Steinen, die zuvor am Feuer oder auf Öfen aufgeheizt wurden. Der Einzug der Elektrizität in Privathaushalte, ermöglichte es, diese umständlichen, ungenauen und nicht zuletzt gefährlichen Methoden zu revolutionieren und fast vollständig zu verdrängen. Parallel entstand in der 1920er Jahren die Wärmflasche aus Gummi, der es als stromunabhängige Alternative, trotz ihrer deutlichen Nachteile und Einschränkungen, gelungen ist, sich bis heute am Markt zu behaupten.

Funktionsprinzip eines Heizkissens

Heizkissen machen sich grundsätzlich das Prinzip des elektrischen Widerstandes zunutze: Strom fließt durch einen dünnen Draht und erzeugt Wärme. Dieses Prinzip der Widerstandsheizung wird in zahlreichen Haushaltsgeräten und Werkzeugen genutzt (zum Beispiel in allen Arten von Heizgebläsen, in Elektroherden, Wasserkochern oder Haartrocknern) und kann durch die Kombination aus gewähltem Draht und Regulierung des Stromflusses präzise reguliert werden.

Moderne Heizkissen erreichen eine höhere Flexibilität in der Temperaturregulierung durch die Verwendung mehrerer Heizkreisläufe. In der Regel verfügen sie über zwei solche Kreisläufe, die durch einen Stufenschalter kombiniert werden. Die beiden Heizkreisläufe können mithilfe dieses Schalters sowohl getrennt ein bzw. ausgeschaltet werden, als auch, wahlweise, je nach Heizkissenmodell, parallel oder in Reihe zusammen geschaltet werden. Entscheidend für die maximale Wärme, die ein Heizkissen erzeugen kann sowie für deren Abstufung, ist die Wattzahl, also die elektrische Leistung, gemessen am aufgenommenen und in den Heizdrähten in Wärme umgewandelten Strom.

Werden zwei Stromkreisläufe parallel geschaltet, addiert sich ihre Leistung, werden sie in Reihe geschaltet, halbiert sich diese. Bei zwei Kreisen eines Heizkissens, mit zum Beispiel je 50 Watt Leistung, ermöglicht dies unterschiedliche Endleistungen, die sich durch eine unterschiedliche Wärmeintensität ausdrücken. Werden beide Kreisläufe in Reihe geschaltet, ergibt sich eine Leistung von 25 Watt, ein einzeln geschalteter Kreislauf ergibt 50 Watt und beide Kreisläufe parallel geschaltet ergeben eine Endleistung von 100 Watt.

Moderne Heizkissen leisten in der Regel, je nach Modell, 60 oder 100 Watt und sind über drei oder vier Stufen regulierbar.

Aufbau eines Heizkissens und Sonderformen

Im Inneren einer fest geschlossenen Hülle, meist aus Baumwolle oder auch Leinen, liegen beim Heizkissen die Heizdrähte, zwischen zwei Lagen Schaumstoff eingewebt oder eingenäht. Ein zusätzlicher, waschbarer Bezug dient dekorativen und hygienischen Zwecken, da er abgenommen, wenn nötig gewaschen oder gegebenenfalls ausgetauscht werden kann.

Neben der klassischen viereckigen Kissenform haben sich einige Sonderformen entwickelt, die den besonderen Anwendungsgebieten eines Heizkissens angepasst wurden:

  • Rückenheizkissen, meist in Form eines breiten Gürtels, der am Körper fixiert wird und so ausgewählte Rückenpartien wärmt.
  • Rücken-Nacken-Heizkissen, sind so geformt und werden so am Körper fixiert, dass sie den Rücken, den Nacken und eventuell Teile der Schultern bedecken und diese gezielt erwärmen.
  • Schulter-Nacken-Heizkissen, bedecken Schultern und Nacken, um diese zu erwärmen.
  • Fußheizkissen, wie ein überdimensionaler Schuh geformt, werden beide Füße in dieser Art Fußsack gewärmt.

Jede dieser Sonderformen dient einem speziellen Einsatzzweck und ist aufgrund seiner Formgebung entsprechend eingeschränkt. Eine weitere maßgebliche Einschränkung von Heizkissen aller Gestaltungsformen ergibt sich aus dem notwendigen Netzstromanschluss. Die Bewegungsfreiheit bei Verwendung eines Heizkissens ist damit auf den Radius beschränkt, der sich aus der jeweiligen Länge des verbauten Stromkabels ergibt.

Sicherheitsaspekte von Heizkissen

Die grundlegenden Gefahren, die zumindest theoretisch von einem Heizkissen ausgehen, ergeben sich zum einen aus der erzeugten Wärme, zum anderen aus dem dazu eingesetzten elektrischen Strom. Handelsübliche Heizkissen verfügen über einen einfachen 230 Volt Netzanschluss. Entsprechend hoch sind die Anforderungen an alle stromführenden Teile des Kissens, besonders da diese in direkter Körpernähe betrieben werden.

Am höchsten sind hierbei die Sicherheitsanforderungen an die in das Kissen eingearbeiteten Heizspiralen. Sie müssen zuverlässig isoliert werden, um vor Feuchtigkeit geschützt zu sein, mit denen ein Heizkissen leicht in Verbindung kommen kann: Schweiß, Urin oder verschüttete Flüssigkeiten dürfen nicht in der Lage sein, einen lebensgefährlichen Kurzschluss zu verursachen. Dabei müssen die Drähte so flexibel verarbeitet sein, dass sie stärkerer Belastung, durch Bewegung des Kissens, problemlos gewachsen sind. All diese Eigenschaften müssen auch langfristig gewährleistet sein.

Hohe Ansprüche werden zudem an den verbauten Schalter gestellt. Dieser ist aufgrund des notwendigen Wechsels zwischen verschiedenen Schaltarten der Heizspiralen (Einzelschaltung, Reihen- und Parallelschaltung), besonderen Belastungen ausgesetzt. Ein Defekt der Schalteinheit darf dabei auf keinen Fall zu einer Gefährdung des Anwenders führen.

Die Steuereinheit eines zeitgemäßen Heizkissens verfügt zudem in der Regel über einen eingebauten Überhitzungsschutz, der im Falle eines Defektes die Stromzufuhr unterbricht und die Temperatur des Kissens dazu kontinuierlich überwacht und, bei den meisten Modellen, über eine zeitgesteuerte Abschaltautomatik.

Die Qualität der beidseitigen Befestigung der Stromzufuhr ist ein weiteres Sicherheitskriterium, das Beachtung verdient. Selbst ein Hängenbleiben am eingesteckten Netzkabel sollte keine maßgebliche Beschädigung an Stecker oder Anschluss verursachen können.

Alle in Deutschland offiziell im Handel angebotenen Haushaltsgeräte unterliegen strengen Sicherheitsauflagen. Dokumentiert werden diese Standards durch verschiedene Zeichen oder Siegel, wie zum Beispiel das Siegel „Geprüfte Sicherheit“ (GS), das CE-Zeichen, das VDE Prüfzeichen oder eine TÜV-Zertifizierung.

Anwendungsgebiete eines Heizkissens

Das Einsatzgebiet eines Heizkissens geht über die reine Komfortfunktion, also den Wunsch nach Wärme, hinaus. Man kann mit einem Heizkissen nicht nur das Bett anwärmen und dadurch auf das aufwendigere und teurere Beheizen des gesamten Schlafzimmers verzichten, ein Heizkissen kann auch körperliche Beschwerden lindern und als Prophylaxe sowie als therapeutische oder zumindest therapieunterstützende Maßnahme eingesetzt werden.

Wärme lockert die Muskeln, kann Verspannungen lösen, lindert akute und chronische Schmerzen im Nackenbereich in Schultern und im Rücken und kann Bauch- und Regelschmerzen ohne Nebenwirkungen bekämpfen. Dabei ist die Form des Heizkissens besonders geeignet, punktuell gegen solche Beschwerden vorzugehen. Die beschriebenen Sonderformen eignen sich besonders um lokale Beschwerden zu behandeln.

Kaufkriterien bei einem Heizkissen

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Beachten Sie folgende Kaufkriterien bei einem Kauf von einem Heizkissen – Copyright Yuri Arcurs – Fotolia

Wer sich für ein Heizkissen interessiert, steht vor einer fast unüberschaubaren Angebotsvielfalt. Sowohl der Einzelhandel als auch der Online-Handel bieten zahllose Modelle verschiedener namhafter wie auch unbekannter Hersteller, zu stark unterschiedlichen Preisen. Die Entscheidung für einen Hersteller und ein konkretes Modell richtet sich neben dem Budget nach verschiedenen Kriterien, die eine genauere Betrachtung verdienen:

  • Wie hoch ist die maximale Wärmeleistung?
    Je höher die Maximalleistung, desto höher die maximal zu erzeugende Wärme. Mehr Leistung bedeutet gleichzeitig jedoch mehr Stromverbrauch.
  • Wie kann die Leistung reguliert werden?
    Neben der Zahl der Schaltstufen und der Flexibilität der Heizstufen muss hier die einfache Bedienbarkeit bewertet werden. Ein leicht zu bedienendes, trotzdem gegen unbeabsichtigtes Verstellen geschütztes und auch bei schlechten Lichtverhältnissen gut ablesbares Bedienteil ist ein deutliches Komfortmerkmal.
  • Welche Größe und Form hat das Heizkissen?
    Klassische Heizkissen sind quadratisch oder zumindest viereckig. In der Größe finden sich zwischen den Modellen deutliche Abweichungen. Ein kleineres Kissen ermöglicht einen punktuellen Einsatz. Sonderformen bieten die beschriebenen Vorteile mit den verbundenen Einschränkungen.
  • Welche Sicherheitskriterien erfüllt das Heizkissen?
    Welche Sicherheitskennzeichnungen werden vom Hersteller angegeben? Verfügt das Gerät über eine elektrische Temperaturregelung, eine Abschaltautomatik und einen Überhitzungsschutz? Gerade beim Kauf im Internet sollte man sich über die Seriosität des Anbieters informieren.
  • Erfüllt das Heizkissen auch ästhetische Ansprüche?
    Als erstes muss ein Heizkissen nützlich und sicher sein, dabei sind ästhetische Ansprüche jedoch nicht völlig unbedeutend. Form, Farbe und Muster eines optionalen Bezuges können eine Kaufentscheidung maßgeblich beeinflussen.
  • Markenhersteller oder NoName?
    Viele bekannte Haushaltsgerätehersteller haben auch Heizkissen in ihrem Angebot. Daneben bietet das Internet, wie auch der Einzelhandel, eine große Auswahl an Geräten namentlich unbekannter Hersteller. Auch wenn das Angebot den gleichen Sicherheitsanforderungen des deutschen Marktes entsprechen muss, haben beide Varianten Vor- und Nachteile. Markengeräte sind in der Regel teurer. NoName-Geräte deshalb jedoch nicht zwingend minderwertiger in Ausstattung und Verarbeitung. Besonders wenn es um Ersatzteile, wie zum Beispiel einen passenden Bezug geht, können NoName-Modelle sich als nachteilig erweisen. Zudem sind Garantie- oder Gewährleistungsansprüche bei Markenherstellern in der Regel einfacher anzumelden und durchzusetzen. Eine Abwägung dieser Vor- bzw. Nachteile, besonders in Relation zu einer möglichen Ersparnis, ist individuell zu erwägen.

Alternativen

Alternativen zum klassischen Heizkissen sind:

  • Heizdecken
    Hauptunterschied der Heizdecke ist die namensgebende Größe, die sie besonders für den Einsatz in Betten auszeichnet, weniger für therapeutischen Zwecke.
  • Wärmekissen
    Wärmekissen sind, wie Wärmflschen, die stromlose Alternative zum Heizkissen. Sie werden mittels externer Heizquelle (Ofen oder Mikrowelle) erwärmt, speichert die Wärme und geben sie langsam ab. Dazu sind sie mit Getreide oder Kernen gefüllt, damit unabhängig vom Netzstrom, aber dabei zeitlich begrenzt einsetzbar.
  • Akku-Heizkissen
    Einige Hersteller bieten inzwischen Akku-Heizkissen, die die Vorteile eines elektrischen Kissens mit jenen eines Wärmekissens verknüpfen. Mit geladenem Akku sind sie, für einen begrenzten Zeitraum, vom Stromnetz unabhängig.